Supreme Ruler 2020

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Amadeus
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Supreme Ruler 2020

Beitrag von Amadeus » Mo 14. Jul 2008, 14:55

Hinter dem nicht ganz eingängigen Titel steckt ein Strategiespiel, das ähnlich wie Hearts of Iron, eine Mischung bietet aus Echzeit und Rundenbasierter Weltscenario-Strategie. Das Spiel ist mindestens so komplex wie das große Vorbild und geht in der Spielmechanik sogar noch einen Schritt weiter. Denn die Welt ist aufgeteilt in Hexfeldern! Also die Welt wird zuerst mal aufgeteilt in bis zu 200 Staaten und diese weiter unterteilt in jeweils 100 bis 2000 Hexfelder oder mehr; je nach Größe des Staates. Jedes Hexfeld hat besondere Eigenschaften für Nahrungsmittel, Wasser, Bodenschätze oder auch Werte für Verteidigung, Loyalität, usw. Das bietet für alle friedlich orientierten Spieler die Möglichkeit, durch neue Fabriken die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, Schulden abzubauen und Sozialprojekte zu starten. Für alle Generäle gibt es aktuelle Waffensysteme wie der Leopard 2, Luftwaffentechnik für die F16 um nur zwei zu nennen. Es gibt altbekannte Krisenherde wie der Nahe Osten oder neue Spielsituationen. So gibt es in manchen Szenarien eine ungewöhnliche Aufteilung in Kleinstaaten mit neuen und/oder alten Staaten (Ostdeutschland, Paris, Süddeutschland). Dadurch kommt es zu ausgeglichene Partien, da alle in etwa gleich stark sind. Wer ein Szenario des nahen Osten auswählt, wird schnell merken, wo der Schuh drückt. Die Produktion liegt danieder und Konflikte mit Israel, Türkei oder Iran sind beinahe unausweichlich. Ganz andere Probleme plagen hingegen den virtuellen Gouverneur von Alberta, der seine Bevölkerung mit Sprit versorgen muss, die Finanzen sanieren soll und ganz nebenbei noch wiedergewählt werden will. Die Bandbreite des Spiels ist groß.

Dadurch wird das Spiel logischerweise sehr komplex. Was die Bedienung, Übersicht und Präsentation angeht, ist es bei aller Komplexität trotzdem gut spielbar. Neue Fabriken, neue Straßen und Gleise sind schnell geplant/gebaut. Das motiviert natürlich! Die richtige Statistik und die richtigen Schalter zum Einstellen neuer Befehle finden sich zum Teil schon etwas schwerer. Da gibt es eine gewisse Reizüberflutung. Möchtet ihr Euch um den Bau neuer Fabriken oder um die Finanzen oder das Militär nicht selber kümmern, kann die KI für euch einen Teilbereich übernehmen. Dabei ist die künstliche Intelligenz zwar nur durchschnittlich gut, macht aber insgesamt keine dicken Fehler. Alle Details zu übernehmen, empfiehlt sich nur für geübte Spieler, die Mikromanagement lieben oder für besondere Spielsituationen. Dabei lassen sich aber relativ leicht die Grundstrategie und die Rahmenbedingungen wie Einsatz von Reserven, neue Darlehen und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit stufenweise abschalten. Das größte Manko in diesem Zusammenhang ist aber die Diplomatie. Jeder Staat hat zu jedem anderen detaillierte Beziehungen (Bündnis, Verteidigungsabkommen, Handelsabkommen usw.), das kennt der geübte Paradoxspieler aus anderen Spielen bereits. Das hört sich zwar gut an, die KI kann aber hier nicht gut selbstständig arbeiten. Beim Warenaustausch kommt es nur selten zu guten Abschlüssen. Insbesondere dauerhafte Vereinbarungen z. B. 10.000 Barrel Öl für 1.000 Tonnen Nutzholz jeden Monat auf unbestimmte Zeit, will die KI auch bei offensichtlicher Übervorteilung nicht annehmen. Des Weiteren sind zurzeit Bündnisse nicht kündbar. Das wurde wohl schlichtweg vergessen!

Die Spielkarte ist der Weltkarte von Google-Earth sehr ähnlich. Die Animationen sind schlicht, die Grafiken wirken etwas „aufgeklebt“ und durchschnittlich. Die Einheiten wie etwa der Schützenpanzer BTR 60 sehen zwar so aus wie ihr reales Vorbild, aber auch sie bewegen sich nicht realistisch und die Größenunterschiede stimmen nicht. Beim Angriff auf feindliches Gebiet kann es durchaus zu Verwirrung kommen, weil Freund und Feind nur durch Farbbalken auseinander zu halten sind. Die Bewegung der Armee ist nur zum Teil normaler Standard; Strg + # und los geht’s. Das funktioniert nach einer gewissen Übung zunehmend besser. Hin und wieder kehren ein paar angeschlagene Einheiten aber zur Reparatur automatisch zum Stützpunkt zurück. Natürlich lässt sich das abstellen, aber dann sind die Verluste umso höher. Dass ihr einzelnen Einheiten wie einem Jagdbomber Befehle erteilt, ist in der Hektik selten sinnvoll. Ein Blitzsieg ist aber ohnehin nicht zu erwarten, da die Städte meist mit Garnisonen gut gesichert sind. Das bedarf schon einer gewissen Planung. Weder der zivile noch der militärische Teil kann zu 100 Prozent überzeugen. Es gibt noch eine Reihe Balance Probleme, falsche Übersetzungen und undurchsichtige Menüs. Aber das Gefühl ein eigenes Reich zivil und militärisch zu gestalten, ist eindeutig spürbar. Und das gab es in dieser gelungenen Form auch noch in keinem Strategietitel. Supreme Ruler 2020 ist also ein Strategiespiel für Leute, die sich gern festbeißen und auch an Civilization, Europa Universalis oder Hearts of Iron nicht verzweifelt sind.

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