Das Wunder von Dünkirchen, wie war...

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Nairedug

Beitrag von Nairedug » Di 18. Feb 2003, 20:45

... es möglich? Weshalb erteilte Adolf Hitler den Stopp-Befehl? Welche Auswirkungen hatte diese Weisung auf den weiteren Kriegsverlauf? Gibt es in der Geschichte vergleichbar unverständliche militärische Entscheidungen?

Waidmannsheil
Kaleu Nairedug

Olli
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Beitrag von Olli » Di 25. Feb 2003, 12:24

Es gibt verschiedene Vermutungen:

1. Hitler wollte sich den Weg für einen Frieden offen halten, d.h. er wollte den Britten mitteilen dass er keinen Krieg gegen England führen wollte. Hier für spricht die Ostpolitik von AH als auch der spätere Flug von Heß. Ebenso wurde kein Versuch der Invasion von England unternommen.

2. Die zu schnell vorrückenden Deutschen Verbände machten halt um nicht abgeschnitten zu werden.

Rayydar
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Beitrag von Rayydar » Mi 26. Feb 2003, 16:10

Weshalb:
a) Wegen des schnellen Vormarsches waren die deutschen Verbände erschöpft und hatten Nachschubprobleme.
b) Der 'GröFaZ' vertraute - wie später bei Stalingrad - den großspurigen Versprechungen von Reichsfettwanst Göring, der den brit. Brückenkopf allein aus der Luft vernichten wollte. Dummerweise verloren die deutschen Bomben im sandigen Gelände aber drastisch an Wirkung.

Übrigens wollte Hitler zwar ursprünglich keinen Krieg mit England. Die Invasion ('Seelöwe') wurde aber durchaus ernsthaft vorbereitet und nur wegen der fehlenden Luftherrschaft abgeblasen. Der Flug von Rudolf Heß war m.W. eine Eigenmächtigkeit, die seinen Boss ganz schön in Rage brachte.

Auswirkungen:
Schlicht gesagt: fatal für die Wehrmacht! Die Truppen in Frankreich waren die Elite des brit. Heeres. Dadurch, dass sie größtenteils gerettet wurden, hatten die Briten weiterhin eine erfahrene Kernarmee, die dann weitere Truppen ausbildete. Zusammen machten diese dann z.B. in Afrika Rommel das Leben schwer.
- Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst!

Olli
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Beitrag von Olli » Mi 19. Mär 2003, 19:44

Ich habe noch einmal gesucht und dabei kam folgendes zu Tage.

1. Am 20.5.40 kam Guderian mit seinen Panzerverbänden an der Kanalküste. Damit waren die Alliierten eingeschlossen.

2. Brauchitsch und Halder wollten nun diese Panzerverbände gegen diese alliierten Verbände in Dünkirchen einsetzen.

3. Rundstedt hingegen wollte die Einheiten neu ordnen.

4. Rundstedt gab einen Haltebefehl aus, den am 24.5.40 Hitler bestätigte.

5. Als man das entkommen der alliierten Verbände bemerkte, da griff man erst wieder an. In diesem Zusammenhang äusserte sich Göring, dass er mit seiner Luftflotte die Alliierten, alleine siegen kann.


Diese Entscheidungen ermöglichten eine bessere Verteidigung und die Flucht von 370.000 alliierten Soldaten.

Niet Snam

Beitrag von Niet Snam » Fr 28. Mär 2003, 01:58

Jo. Dank Dir Olli. Wobei es aber noch zu klären gilt, weshalb GvR die Einheiten zum Kuckuck nochmal so in aller Gemütsruhe neu ordnen lassen wollte, wo doch vorm schnellen Heinz seiner Nase beinahe das gesamte Expeditionsheer (!) grade am abdüsen war. Guderian selber gibt ja in "Erinnerungen eines Soldaten" seiner Verwunderung über diesen Entscheid Ausdruck, ja er zeigte sich geradezu entsetzt. Stecken da wirklich nur Rundstedts Neuordnungs- bzw. Auffrischungsüberlegungen dahinter, die er dann A.H. unterbreitete, oder war es nicht vielmehr gerade umgekehrt, dass eben doch die naive Vorstellung Adolfs , die Tommies würden dann nachher die Deutschen in friedlicher Koexistenz brav auf dem Festland gewähren lassen, Vater des Gedankens war?

Stimmt die These mit dem zu späten Bemerken der allierten Flucht, wirft das ein katastrophal mieses Licht auf die Deutsche Feindaufklärung. Es handelte sich hier ja nicht um ein versprengtes Häufchen, sondern um die gesamte allierte Streitmacht auf dem Europäischen Festland. Deren Absetzbewegung und Vorbereitungen dürften kaum zu übersehen gewesen sein.

Mast- und Schotbruch
Kaleu Nairedug

Olli
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Beitrag von Olli » Fr 28. Mär 2003, 02:37

Das entkommen der Alliierten war nicht leicht zu bemerken, da die Truppen sich dicht gestaffelt verteidigten. Man muss sich abenfalls nur ansehen das es bereits 5 Tage waren (20.5.-24.5.), wo die Alliierten fliehen konnten.
Befehlshaber war halt Rundstedt und der entschied halt falsch.

wortlord
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Beitrag von wortlord » Fr 28. Mär 2003, 19:07

hm, also das die jungs abhauen wollten, zumal die engl. kanalküste ja nun nicht allzu weit weg war, konnte sich jeder depp denken, sogar der gröfaz.

da liegt ja nun der schluß nahe, das er sie absichtlich schonen wollte, um eben für später bei den tommies eine stein im brett zu haben, denn eine derart schlechte luftaufklärung (damals hatte man ja reichliche luftüberlegenheit) und so unfähige generäle kann es eigentlich kaum geben, daß 370.000 mann samt zahlreichem gerät einfach so rübermachen können...
obwohl man bei den gestalten von damals im nachhinein so einiges für möglich halten muß, da viele sich z.b. gegenseitig den ruhm streitig machen wollten und deshalb entscheidungen im sinne eines anderen verzögert oder verhindert haben, etc., auch wenn es militärisch kontraproduktiv war oder gar tausenden eigener soldaten das leben kostete - mobbing wie im 0815-büro... ;)

aber auch atsche hatte, natürlich, seinen überwältigenden anteil an dem murks, schon damals, denn er hatte sich die sache mit dem krieg in europa ja eigentlich so gedacht:

1. nach osten absichern und rußlandfeldzug vorbereiten durch einnahme polens,

2. frankeich plätten und somit die südseite sichern und dort schön hilfstruppen ausheben,

3. england überreden oder ein wenig aushungern, damit die tommies bitte schön bei seinen weiteren vorhaben zur dominanz europas als (fast) gleichberechtigte partner mitmachen, und zwar v.a. zu wasser.
denn sie hatten ja eine nette flotte, die wäre atsche doch genau recht gekommen, zur sicherung der gewässer rund um europa und um den russen evt. amerikanischen nachschub abzuschneiden.
dei herren engländer waren ja ebenfalls als "arisch-stämmig" anzusehen und somit natürlich ideale partner für seine durchgeknallten pläne, im gegensatz zu den italienern, denen man erst künstlich und unter mißachtung sämtlicher geschichtskenntnisse eine arische herkunft andichten mußte, um sie propagandistisch in den kampf für den endsieg einbauen zu können.

tja und dann wollte atsche, von willfährigen partnern umgeben, das düstere reich des slawischen untermenschen urbar machen, wozu es diesen natürlich zu vernichten galt - entweder durch akute bleivergiftung oder in arbeitslagern.

so hatte sich das der ehemalige postkartenmaler aus linz gedacht - scheiße hoch 3, aber wo braun drauf steht, ist eben auch braun drin. :D

denn wieso sollten sich die tommies z.b. für seine bekloppten pläne erwärmen und den willfährigen steigbügelhalter für seine allmachtspläne spielen, wenn sie auch eigenständig, selbstbestimmt und ohne fremdherrschaft auf ihrer insel und mit ihren damals noch recht ansehnlichen kolonien weitermachen konnten, wie gehabt ?
so blöd kann kein normaler mensch sein, sich solche fantasiegebilde zusammen zu basteln - aber normal war er ja auch nicht.

man hätte den gröfaz eben schon '39 durch eine´portion blei ruhig stellen sollen, wie es bereits damals einige normal denkende offiziere erwägt hatten - nur ist es leider 5 jahre und millionen von toten lang bei den gedanken geblieben. hat '44 zwar auch nicht geklappt, aber es war immerhin ein schritt in die richtige richtung. :D
es kann eben nicht alles klappen...

ciao,warlord

Friddi
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Beitrag von Friddi » Mo 7. Mär 2005, 22:27

Wobei ein geglücktes Attentat ´44 nur noch ein Steigbügelhalter für die nächste Dolchstosslegende gewesen wäre.
Willst du lange Leben? - Rauche nicht, trinke nicht, habe keinen Sex und gehe Abends immer früh zu Bett.
Willst du ein glückliches Leben? - Mache genau das Gegenteil von dem was ich dir gerade gesagt habe.

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Beitrag von Siriuswhite » Mo 30. Mär 2009, 20:02

Will hier noch ne Theorie zum Haltebefehl zum besten geben
Inzwischen tendiert die Forschermeinung nämlich dazu dass Hitler seinen Generälen nur nen Denkzettel verpassen wollte und sie ihm zu mächtig würden
ne andere Theorie is dass Hitler einen aliierten Gegenangriff erwartet hatte weil er es selbst kaum glauben konnte dass Frankreich so schnell platt war

t-34/76
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Beitrag von t-34/76 » Fr 1. Jul 2011, 12:41

Letztlich kann festgehalten werden, dass Deutschland den Krieg verloren hätte, egal ob die BEF und die Franzosen in Dünkirchen entkommen wären oder auch nicht. Auch das Unternehmen Seelöwe hätte unabhängig von Dünkirchen nicht geklappt, also ist dieser strategische Fehler des "Gröfaz" nicht wirklich schwerwiegend gewesen.

Und was hist. Analogien angeht: In der Antike hieß es, dass Hannibal spätestens nach dem Sieg von Cannae auf Rom hätte marschieren sollen, da er den 2. PK dann angeblich gewonnen hätte.

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